Auf ein Wort

Ostergruß 2017 von Propst Martin Tenge

 

Aufstand !


Das Osterfest ist das wichtigste Fest für die Christen: Jesus Christus wird zum Tod verurteilt, leidet und stirbt und steht dann am Dritten Tag von den Toten auf. Damit wird den Menschen die Hoffnung geschenkt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass unser eigenes Leben einen bleibenden Charakter hat und auch unsere menschlichen Beziehungen nicht einfach mit dem Tod enden, sondern in der Ewigkeit weiter bestehen.

Als am Palmsonntag in Ägypten (wieder) Terroranschläge mit vielen Toten gegen unsere koptischen Brüder und Schwestern erfolgten, wurden wir mit dieser Wirklichkeit des Todes im Leben massiv konfrontiert. Wir leben in keiner heilen Welt. Von irgendwo her kommt auf einmal ungeahnt eine von Fanatikern geworfene Bombe und tötet unschuldige Menschen. Auch das Bombenattentat auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund schockiert ungemein. Es kommen Erinnerungen an den Anschlag von Stockholm hoch.

Auch hier: Terror und Tod brechen sich in Form eines gestohlenen LKW Bahn in der Fußgängerzone, in den Nachrichten und auch in unseren Gefühlen. Unsere vermeintliche Sicherheit in unserer verlässlichen Demokratie kommt ins Wanken und erzeugt Angst. Wem kann man vertrauen? Wer ist Schuld? Und: wie können wir uns vor den „Fremden“ schützen, die vemeintlich für diese Misere verantwortlich sind? Die damit verbundene Destabilisierung ist genau das Ziel der Terroristen: sie wollen sogar bekämpft werden, aber weil man sie einzeln nicht zu fassen bekommt, werden ganze Gruppen von Menschen verdächtigt.

Und damit nutzen die Terroristen sogar die (positive) Gewalt des Staates für Ihre Zwecke. Verunsicherung, Destabilisierung und Angst zu erzeugen. Eine unglaublich schreckliche Form des Todes sind die Giftgasangriffe auf unschuldige Menschen in Syrien. Die Reaktion ließ nicht lange nicht auf sich warten mit den umstrittenen Bombardierungen. Für die Menschen vor Ort werden sie als „christliche Bomben“ interpretiert, die für Tod und Vernichtung sorgen. Man spürt, wie verfahren und ausweglos die ganze Situation ist. Wir müssen aufstehen gegen den Tod.

Wir müssen den Aufstand wagen und dem Tod nicht das letzte Wort geben. Ostern ist ein Fest der Hoffnung, dass trotz aller brutaler Macht des Hasses, die Jesus Christus am eigenen Leibe erfahren hat, das Leben stärker ist als der Tod. Damit das aber spürbar und erfahrbar wird, musste Jesus aufstehen gegen den Tod. Er hat es vorgemacht und ermutigt den Menschen, der in Krise ist, ebenfalls aufzustehen, den Aufstand zu wagen gegen den Tod und die Gewalt – in dem er das Liebe schenkt.

Bewundernswert ist das, was wir in Stockholm erleben durften: Abertausende von Menschen kommen zusammen, um sich gegenseitig zu bekräftigen, dass sie sich vom Terror nicht destabilisieren lassen wollen. Fremde Menschen umarmen sich, weinen und zeigen sich genau darin, dass sie als Gesellschaft zusammen stehen. Dazu mussten sie zuhause aufstehen und losgehen. Das ist die Auferstehung von heute: dass wir aus einer „zuschauenden Sofa-Situation“, wo wir betroffen sind und uns aufregen, aber dennoch in der gut eingerichteten Komfortzone bleiben, zu einem „sich- selbst-erhebenden Aufstand“ kommen, wo wir den Aufstand wagen gegen den Tod, wo wir uns nicht einlullen lassen von einer ebenfalls lebensverhindernden Mentalität des „Ich-kann-doch-sowieso- nichts-ausrichten“.

Ich wünsche mir Umarmungen von Christen, Muslimen, Juden, Humanisten – auch unter Tränen, angesichts der Brutalität, die von Menschen ausgeht, die verblendet sind von islamistischen oder anderen menschenverachtenden Ideologien. Und ich wünsche mir den Mut, aufzustehen und mich mit anderen zu solidarisieren, wenn wieder Anschläge erfolgen und wenn Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zu Herkunftsländern, zu einer Religion oder einer Weltanschauung pauschal verurteilt werden. Ja, es gibt Menschen, die aus dem muslimischen Glauben einen menschenverachtende Haltung ableiten und zu Islamisten werden.

Ja, es gibt Menschen, die sind Christen und werden doch zu Verbrechern. Ja, es gibt Humanisten, die für gute Werte stehen und doch Menschen Schaden zufügen. Es gibt halt keine Religion oder Weltanschauung, die davor schützt, menschenschädigend missbraucht zu werden. Aber eine Welt ohne Religionen und Humanismus hat noch nicht mal die Kraft, dem Terror und der Gewalt eine Hoffnung und eine Orientierung entgegen zu setzen. Wir brauchen die ordnende Gewalt unseres demokratischen Rechtsstaates.

Aber wir brauchen noch viel mehr die Menschen, die aufstehen gegen Gewalt, Tod und Hoffnungslosigkeit, weil sie eine unbändige die Hoffnung auf das Leben haben. Und wir brauchen Menschen, die in ihren Gedanken den Aufstand wagen und eben nicht pauschalisieren, sondern differenzieren. Lasst uns aufstehen, zueinander finden und uns – auch unter Tränen – in die Arme nehmen.               Propst Martin Tenge

 

 

Dankbarkeit - von Thomas Schenk

Ich will jetzt aber ein neues I-phone! Das alte hat nicht mehr genug Speicher!“„Schon wieder an die Nordsee? Das ist doch öde!“ „Ich will aber ein eigenes Pferd!“So oder ähnlich hört sich das immer öfter an, wie ich es hier oder dort mitbekomme. Wir haben letztens ein Seminar zum Thema: „Dankbarkeit“ durchgeführt. Es hat gut getan, sich mal intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen.

David Steindl-Rast, ein bekannter Theologe und Gründer verschiedener spiritueller Zentren in den USA und Europa sagt zu dem Thema: „Vieles ist uns gegeben: dass ich morgens aufstehen kann, dass ich sehen und hören kann, dass ich ausreichend zu essen und zu trinken habe, das Schöne in der Natur… alles das ist nicht selbstverständlich.

Es ist für uns Menschen wichtig, dies alles achtsam wahrzunehmen.“Natürlich sind wir nicht für alles dankbar: für Leid und Krankheit z.B. sind wir nicht dankbar. Aber wir lernen auch aus solchen Erfahrungen. Wir lernen oft besonders aus Erfahrungen wie Scheitern, an die Grenzen kommen, einsam sein … Oft helfen uns solche Erfahrungen z.B. auch anderen zu helfen, uns besser in leidende Menschen einzufühlen und andere besser trösten zu können und als Mensch zu reifen.Wenn ich darüber nachdenke, gibt es vieles für das ich dankbar sein könnte.

Das Meiste nehme ich jedoch als selbstverständlich hin und sehe oft eher das, was mir Sorgen macht. Alle spirituellen Übungen egal welcher Religion üben ein, achtsam wahrzunehmen, was ist, ganz bewusst zu erleben, was ich sehe, fühle, höre… „Ich kann so meine körperlichen, emotionalen und geistigen Zustände wahrnehmen und damit besser integrieren. Das kann mir helfen, aus belastenden Gedanken und Gefühlen auszusteigen und mich von negativen Grübel- und Bewertungskreisläufen zu lösen. Ich kann einen anderen Standpunkt einnehmen - einen Standpunkt, der mir hilft, die Menschen und die Welt um mich herum positiv zu sehen und aktiv und konstruktiv in ihr zu leben.“

Das sagt Dr. Ulrike Anderssen-Reuster, Leiterin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie in Dresden. Diese Achtsamkeitspraxis stammt ursprünglich aus der buddhistischen Tradition, findet sich aber in allen Religionen und deren spirituellen Übungen wieder. Wenn ich das immer wieder übe, achtsam wahrzunehmen, kann ich zu einer Haltung der Ausgeglichenheit, eines inneren Friedens, von Wertschätzung und Dankbarkeit finden – Dankbarkeit für alles Gegebene, Dankbarkeit auch gegenüber dem Geber aller Gaben.  

Engel - von Thomas Schenk

„Da hab´ ich aber einen Schutzengel gehabt!“

„Mögen Engel dich begleiten!“ „Jedes Kind braucht einen Engel.“ Engel tauchen immer wieder auf…wenn wir eine schwierige Situation überwunden haben, wenn wir großes Glück hatten, wenn wir Menschen Schutz und Begleitung wünschen, bei den Wünschen für ein neugeborenes Kind… Engel gibt es in den Vorstellungen der Menschen seit Tausenden von Jahren und das in allen drei monotheistischen Religionen: im Judentum, im Christentum und im Islam.

Auch in der Esoterik spielen Engel eine wichtige Rolle. Engel gelten als Geistwesen, von Gott geschaffen. In Bildern werden sie oft mit Flügeln dargestellt, um deutlich zu machen: Engel sind Mittler zwischen Himmel und Erde. Sie sind mitten unter uns und doch dieser Welt entrückt, können sich über diese Welt erheben in andere Sphären.

In der Weihnachtsgeschichte verkünden Engel die frohe Botschaft von der Geburt des neugeborenen Königs der Welt. Sie erstrahlten in hellem Licht, dem Lichtglanz der Ewigkeit. Im Islam spielen Engel eine wichtige Rolle. Sie werden als Diener Gottes bezeichnet. Sie vermitteln Gottes Botschaft an die Propheten. Außerdem schützen sie die Menschen.

Auch im Christentum haben Menschen die Erfahrung gemacht, dass Gott heilsam in ihr Leben eingreift. Dies wird oft mit Engeln beschrieben.In der Bibel wird berichtet von Engeln in Menschengestalt, die uns die Augen öffnen für eine andere Wirklichkeit. Sie geben uns wichtige Botschaften für unsere Leben – Botschaften Gottes. Sie begleiten uns und zeigen uns den rechten Weg. Sie können unsere Fesseln lösen und uns Kraft und Heilung schenken.

Sind Engel heute noch erfahrbar? Wir erfahren oft andere Menschen wie Engel, die uns beistehn oder uns den richtigen Weg zeigen. Wir träumen manchmal Dinge, die sich tief in unsere Seele einprägen und uns hin weisen auf etwas Wichtiges in unserem Leben.Wir können selbst Engel sein für andere. So können wir Gottes heilsame Nähe erfahren in unserer Wirklichkeit.

Thomas Schenk
Gemeindereferent
Kath. Kirchengemeinde Wedemark