Auf ein Wort

Thomas Schenk, Gemeindereferent kath. Kirche Wedemark und Großburgwedel

Der Zauber von Taizé

Wie kann es sein, dass Jugendliche, die zum Teil in den letzten Jahren kaum Berührung mit Kirche und Glaube hatten, begeistert die Woche in Taizé erleben? … Klosterleben für und mit Jugendlichen mit drei einstündigen Gebetszeiten am Tag, Bibelimpulsen, Gesprächsgruppen, Putz – oder Essensdiensten.

Wir waren mal wieder mit einer Gruppe von 16 Jugendlichen für eine Woche dort und haben die Jugendlichen gefragt, was sie am meisten beeindruckt…: „uns hat die fünfminütige Stille in jeder Gebetszeit am besten gefallen… die mehrstimmigen Gesänge in verschie-denen Sprachen mit einfachen, eingängigen Texten fand ich wunderbar… zu erleben, dass 3000 Jugendliche gemeinsam in der Kirche singen, schweigen und beten… diese selbstverständliche Gemeinschaft aus verschiedenen Konfessionen… die friedvolle, liebevolle Atmosphäre untereinander… wie man eine Woche lang so einfach und ohne viel Ablenkung leben kann… der manchmal tiefgehende Austausch in den Gesprächsgruppen und die Nähe, die dadurch entsteht… Menschen aus so vielen Ländern und Kontinenten hier in so friedvoller Atmosphäre zu erleben…“

In der Gemeinschaft des Ordens leben etwa 80 Brüder in dem kleinen Ort Taizé in Burgund/Frankreich zusammen. Sie versuchen, den tausenden von jungen Menschen, die jedes Jahr hierher kommen, etwas von ihrem Leben und Glauben zu vermitteln. Sie leben aus der Stille und dem Gebet heraus, sehr einfach und in tätiger Solidarität mit Menschen, die Hilfe brauchen.

Die Gottesdienste erleben die Jugendlichen als sehr einladend, fröhlich, meditativ, inspirierend, warmherzig, bunt, tiefgehend, ausdrucksstark, beeindruckend… Alle sitzen auf einem Teppichboden – es gibt keine Kirchenbänke, keinen Vorsteher der Liturgie. Die Gesänge, in verschiedenen Sprachen mehrstimmig gesungen, prägen sich tief in die Seele ein – sie sind sehr kurz mit tiefgehenden Glaubenssätzen und werden häufig wiederholt.

Eine fünfminütige Stille gibt Gelegenheit zu sich selbst zu kommen und persönlich zu Gott zu sprechen. Ich denke, wir können für unsere Gottesdienste, die Gestaltung der Kirchenräume, unser Leben und unsere Glaubensvermittlung einiges von Taizé lernen.



Well - ness


Viele Menschen pilgern heute in unserer modernen aufgeklärten westlichen Welt nicht mehr in Wallfahrtsorte und Kirchen, um etwas für ihre Well - ness zu tun… Das Zauberwort „Wellness“, eine Wortschöpfung aus Well-being (sich wohl fühlen) und Fitness (gut in Form sein), spricht unsere Sehnsucht und unser Bedürfnis nach Ausgeglichenheit und Harmonie in einer immer komplexer und chaotischer werdenden Welt an.

Wo kommen wir in unserem hektischen Alltag noch zur Ruhe? Selbst unsere Freizeit ist oft gefüllt mit Aktivitäten, Terminen oder zumindest Berieselung oder Ablenkung in der virtuellen Welt. Viele spüren eine innere Leere, Stress, Überforderung und sehnen sich nach Entspannung. Menschen suchen daher oft nach Ruhe und Harmonie und das nicht nur mit dem Verstand, sondern auch in ihrer Seele und damit verbunden in ihrem ganzen Körper.

Ganzheitlich leben scheint das Motto dieser Zeit. Sich bewusst ernähren, den Körper pflegen, gesund leben, Fitness gehören dazu. Nichts ist uns näher als er eigene Körper. Unser Körper ist Ort und Instrument von Erfahrungen. Erfahrung hat immer eine körperliche Komponente, sie betrifft den Menschen in seiner Ganzheit. Wir erfahren die Welt, indem wir sie erfühlen, ertasten, erspüren. Erfahrung ist sinnlich - in ihr erschließt sich Sinn durch die Sinne, körperlich.

Neben dem körperlichen suchen viele auch nach dem seelischen Wohlbefinden, nach einem Sinn und Ziel ihres Lebens, einer Hoffnung, einer inneren Heimat. Dieses Heimweh gibt es nur, wenn man spürt, dass es eine Heimat gibt. Nach den großen Schulen der Mystik und Spiritualität der Kulturen können wir diese Heimat, dieses Gefühl von Harmonie und Einheit finden durch Übungen der Stille, des Atmens, der Achtsamkeit gegenüber allem Leben und der Einbeziehung des ganzen Körpers.

Die Mystiker und religiösen Schulen der Kulturen sagen uns: Heiliges und Alltägliches sind keine Gegensätze. Wir können Gottes Kraft nicht nur in sakralen Räumen erfahren und schon gar nicht nur über den Verstand, sondern mit unserem Körper und unserem ganzen Empfinden. Viele Menschen scheinen heute daher oft anderswo zu suchen nach Well - ness im weitesten Sinne. Und sie scheinen ein Gespür dafür zu haben, dass seine göttliche Kraft überall zu finden ist.

Wir können seinen Lebensatem spüren in der Natur, in jedem Menschen, tief in unserer Seele. Das kann uns besonders da gelingen, wo wir uns sinnlich, ganzheitlich, in unserem Körper erfahren und uns innerlich öffnen, um in die Tiefe unserer Seele hinein zu spüren.



Der Geist des Lebens

 

In diesen Tagen und Wochen erwacht die Natur zu neuem Leben. Sie lässt uns erahnen, was wir Ostern gefeiert haben: das Leben ist stärker als der Tod. Und wir suchen nach so langer Zeit der Kälte und Dunkelheit die Erfahrungen von Sonne, Licht, Wärme, wir genießen das frische Grün und die Pracht der Blüten, den Duft des Frühlings und das Singen der Vögel… In Wahrheit jedoch dient uns Menschen die Natur eher als Mittel zum Zweck.

Die Folgen von Massentierhaltung, Atomenergie, Fungizideinsatz oder Plastikmüll werden immer bedrohlicher, so dass eine Zukunft mit dauerhaftem Leben auf der Erde immer fraglicher erscheint. Dies scheint zum einen die Folge eines rigorosen präferierten Wirtschaftsdenkens, hat aber auch mit einem Weltbild zu tun, das durch unsere christliche Religion mit geprägt wurde. In der alten Vorstellung von Gott und Welt war Gott der Lenker und Leiter des Weltgeschicks. Er strafte die Menschen oder belohnte sie. Die Natur war nur Mittel zum Zweck.

Die Erde war Mittelpunkt des Kosmos. Der Mensch war die Krone der Schöpfung und sollte alles beherrschen. Unser Körper sollte diszipliniert werden, um das Heil zu erlangen. Papst Franziskus kritisierte vor einigen Tagen die christliche Natur- und Leibfeindlichkeit, die aus einer solchen Welt- und Glaubenssicht spricht. Die Menschen wenden sich seit Jahrzehnten scharenweise ab von einer solchen Welt- und Glaubenssicht und damit oft auch von den Kirchen, weil sie diese immer noch damit zum Teil auch zu Recht identifizieren. Pierre Teilhard de Chardin, Jesuit, Philosoph, Anthropologe und Paläontologe, beschrieb Gott als einen Gott, der uns Menschen und die Natur in Freiheit sich entwickeln entlässt.

Das ist kein Bild von einem Gott, der Naturkatastrophen oder Krankheiten schickt, um Menschen zu bestrafen. Gott hat sich uns Menschen in Jesus am Kreuz gezeigt als der wehrlose, liebende Gott, der die Menschen in Freiheit handeln lässt. Er brachte einen Geist in diese Welt, den wir auch als Geist Gottes bezeichnen. Er will, dass wir den Menschen und der Natur in Liebe und Achtung begegnen; dass wir die Natur als Gottes Schöpfung begreifen, in der wir ihm begegnen und dass wir dankbar sind für alles, was er uns schenkt.

Eine solche Sicht würde uns verbinden mit anderen Kulturen und Religionen. Mit einer solchen Haltung können wir uns auch mit allem Leben verbunden fühlen und nur eine solche Haltung wird auf Dauer das Leben auf dieser Welt erhalten.




Aus der Ruhe kommt die Kraft


Ich bin immer wieder beeindruckt von der absoluten Stille von jeweils fünf Minuten bei den regelmäßigen Gebetszeiten, wenn ich gemeinsam mit tausenden von Jugendlichen in der Klosterkirche von Taizé/Burgund bin. Die Stille, das Schweigen von so vielen jungen Menschen drückt eine tiefe spirituelle Kraft aus, die die Jugendlichen erfüllt oder die sie suchen. Die Jugendlichen machen die Erfahrung, dass Stille ihnen gut tut. Sie füllen sie mit ihren Gedanken, Sehnsüchten und Gebe-ten und kommen so wirklich zu sich selbst und oft auch zu Gott.

Ich mache diese Erfahrungen auch, wenn ich in der Firmvorbereitung ähnliche Ge-betszeiten mit langen Stillephasen anbiete oder wenn ich mit Jugendlichen meditiere wie zuletzt im Schülergottesdienst am Aschermittwoch mit ca. 100 Jugendlichen. Es gibt kein Gerede, kein Gekicher, jede/r ist bei sich und die Stille scheint gut zu tun. Das Bedürfnis nach Ruhe scheint groß zu sein in einer Zeit, in der wir rund um die Uhr meinen, online sein zu müssen.

Der bekannte Benediktinerpater Anselm Grün sagt: „Solange wir innerlich aufgewühlt sind, können wir die Energie nicht wahrnehmen, die in uns strömt. Es braucht die Ruhe, um die Kraft zu entdecken, die in uns liegt“. Es braucht die Ruhe, um die inneren Kräfte zu entdecken und um sich immer wieder innerlich neu auszurichten. Was sind meine nächsten Ziele? Was möchte ich korrigieren? Worüber muss ich nachdenken, mir Hilfe holen…?

Wir brauchen immer wieder den Rückzug, um Rücksicht auf uns selbst zu nehmen. So spüren wir, was wir brauchen, was jetzt dran ist, können wieder unsere innere Kraft spüren. In Phasen der Ruhe können wir bei uns sein, spüren, was wir können, was uns geschenkt ist, was nicht selbstverständlich ist statt unsere Energien außerhalb von uns zu verschwenden. Oft gelingt es nicht, wirklich in die Ruhe zu finden.

Wenn ich es aber versuche, spüre ich die Sehnsucht nach Ruhe in mir und darin ist schon Ruhe. In der Sehnsucht nach Liebe ist schon Liebe. Und in der Sehnsucht nach Gott ist schon Gott. Und in der Sehnsucht nach Glück ist schon Glück. Als Spur, die in meiner Sehnsucht spürbar ist, ist dann zumindest eine Ahnung von Glück schon vorhanden.

 

 

 

Basics

Nein, ich hab mich nicht verschrieben. Was wir heute neudeutsch als basics bezeichnen, ist mir in diesem Sommer bei einer Kinderfreizeit auf Ameland wieder bewusst geworden. Wir haben dort mit etwa 50 Kindern und unserem Betreuerteam zwei Wochen auf der holländischen Nordseeinsel verbracht. Dort schliefen wir in einfachen Doppelstockbetten in schlichten Schlafsälen, die früher mal Hühnerställe waren. Die Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 14 Jahren hatten keine Smartphones dabei. Sie mussten direkt miteinander kommunizieren und hatten viel Zeit, zu spielen, reden, streiten und lachen. Wir haben den Tag immer gemeinsam begonnen mit einer Morgenrunde mit ei-nem Lied, einem Bewegungsspiel und einem Gebet.

Alle waren begeistert dabei bei Spielaktionen, Rallyes, Sport, Bastelaktionen, Spielshows, Strand, Schwimmen, Kutterfahrt, Nachtwanderung, Lagerfeuer u.v.m. Wir haben viel zusammen gesungen, besonders bei der Abendrunde, wenn wir auf den Tag zurück geblickt haben. Die Kinder haben
erzählt, was sie besonders bewegt und begeistert hat oder wo es Probleme gab. Das haben wir alles im Abendgebet Gott anvertraut. Die Kinder haben diese Gemeinschaft genossen, Beziehungen un-tereinander geknüpft und die Leiter waren mit viel Engagement und Begeisterung für die Kinder und Jugendlichen da. Sie freuen sich alle schon wieder auf nächstes Jahr, wenn es wieder nach Ameland geht.

Wir haben in diesen zwei Wochen einfach gelebt, auf viele Annehmlichkeiten und Konsum verzichtet, die ansonsten selbstverständlich erscheinen. So hatten wir mehr Zeit und Energie für die wesentlichen Dinge, die wir zum Leben brauchen. Wir waren dankbar für das, was wir erleben und genießen durften und haben uns dies auch bewusst gemacht. Zwischendurch tut es gut, sich auf die basics zu besinnen - auf das, woraus wir wirklich leben.





Dankbarkeit

Ich will jetzt aber ein neues I-phone! Das alte hat nicht mehr genug Speicher!“„Schon wieder an die Nordsee? Das ist doch öde!“ „Ich will aber ein eigenes Pferd!“So oder ähnlich hört sich das immer öfter an, wie ich es hier oder dort mitbekomme. Wir haben letztens ein Seminar zum Thema: „Dankbarkeit“ durchgeführt. Es hat gut getan, sich mal intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen.

David Steindl-Rast, ein bekannter Theologe und Gründer verschiedener spiritueller Zentren in den USA und Europa sagt zu dem Thema: „Vieles ist uns gegeben: dass ich morgens aufstehen kann, dass ich sehen und hören kann, dass ich ausreichend zu essen und zu trinken habe, das Schöne in der Natur… alles das ist nicht selbstverständlich.

Es ist für uns Menschen wichtig, dies alles achtsam wahrzunehmen.“Natürlich sind wir nicht für alles dankbar: für Leid und Krankheit z.B. sind wir nicht dankbar. Aber wir lernen auch aus solchen Erfahrungen. Wir lernen oft besonders aus Erfahrungen wie Scheitern, an die Grenzen kommen, einsam sein … Oft helfen uns solche Erfahrungen z.B. auch anderen zu helfen, uns besser in leidende Menschen einzufühlen und andere besser trösten zu können und als Mensch zu reifen.Wenn ich darüber nachdenke, gibt es vieles für das ich dankbar sein könnte.

Das Meiste nehme ich jedoch als selbstverständlich hin und sehe oft eher das, was mir Sorgen macht. Alle spirituellen Übungen egal welcher Religion üben ein, achtsam wahrzunehmen, was ist, ganz bewusst zu erleben, was ich sehe, fühle, höre… „Ich kann so meine körperlichen, emotionalen und geistigen Zustände wahrnehmen und damit besser integrieren. Das kann mir helfen, aus belastenden Gedanken und Gefühlen auszusteigen und mich von negativen Grübel- und Bewertungskreisläufen zu lösen. Ich kann einen anderen Standpunkt einnehmen - einen Standpunkt, der mir hilft, die Menschen und die Welt um mich herum positiv zu sehen und aktiv und konstruktiv in ihr zu leben.“

Das sagt Dr. Ulrike Anderssen-Reuster, Leiterin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie in Dresden. Diese Achtsamkeitspraxis stammt ursprünglich aus der buddhistischen Tradition, findet sich aber in allen Religionen und deren spirituellen Übungen wieder. Wenn ich das immer wieder übe, achtsam wahrzunehmen, kann ich zu einer Haltung der Ausgeglichenheit, eines inneren Friedens, von Wertschätzung und Dankbarkeit finden – Dankbarkeit für alles Gegebene, Dankbarkeit auch gegenüber dem Geber aller Gaben.



 

Engel

„Da hab´ ich aber einen Schutzengel gehabt!“

„Mögen Engel dich begleiten!“ „Jedes Kind braucht einen Engel.“ Engel tauchen immer wieder auf…wenn wir eine schwierige Situation überwunden haben, wenn wir großes Glück hatten, wenn wir Menschen Schutz und Begleitung wünschen, bei den Wünschen für ein neugeborenes Kind… Engel gibt es in den Vorstellungen der Menschen seit Tausenden von Jahren und das in allen drei monotheistischen Religionen: im Judentum, im Christentum und im Islam.

Auch in der Esoterik spielen Engel eine wichtige Rolle. Engel gelten als Geistwesen, von Gott geschaffen. In Bildern werden sie oft mit Flügeln dargestellt, um deutlich zu machen: Engel sind Mittler zwischen Himmel und Erde. Sie sind mitten unter uns und doch dieser Welt entrückt, können sich über diese Welt erheben in andere Sphären.

In der Weihnachtsgeschichte verkünden Engel die frohe Botschaft von der Geburt des neugeborenen Königs der Welt. Sie erstrahlten in hellem Licht, dem Lichtglanz der Ewigkeit. Im Islam spielen Engel eine wichtige Rolle. Sie werden als Diener Gottes bezeichnet. Sie vermitteln Gottes Botschaft an die Propheten. Außerdem schützen sie die Menschen.

Auch im Christentum haben Menschen die Erfahrung gemacht, dass Gott heilsam in ihr Leben eingreift. Dies wird oft mit Engeln beschrieben.In der Bibel wird berichtet von Engeln in Menschengestalt, die uns die Augen öffnen für eine andere Wirklichkeit. Sie geben uns wichtige Botschaften für unsere Leben – Botschaften Gottes. Sie begleiten uns und zeigen uns den rechten Weg. Sie können unsere Fesseln lösen und uns Kraft und Heilung schenken.

Sind Engel heute noch erfahrbar? Wir erfahren oft andere Menschen wie Engel, die uns beistehn oder uns den richtigen Weg zeigen. Wir träumen manchmal Dinge, die sich tief in unsere Seele einprägen und uns hin weisen auf etwas Wichtiges in unserem Leben.Wir können selbst Engel sein für andere. So können wir Gottes heilsame Nähe erfahren in unserer Wirklichkeit.