Auf ein Wort

Thomas Schenk, Gemeindereferent kath. Kirche Wedemark und Großburgwedel

Gemeinschaft über den Tod hinaus

Jetzt im November wird es früh dunkel. Die Blätter fallen von den Bäumen und die zunehmende Kälte stimmt uns auf den Winter ein.
In der Tradition haben Menschen ihre wichtigen Feste und Gedenken an die Jahreszeiten angepasst. So hat sich im Monat November eine besondere Tradition des Totengedenkens entwickelt.

Wir feiern in der katholischen Kirche die Feste Allerheiligen und Allerseelen zum besonderen Gedenken an die Verstorbenen.
Die evangelische Kirche feiert den Ewigkeitssonntag, auch Totensonntag genannt, um besonders der Verstorbenen zu erinnern. Wenn wir an einem Tag im Jahr etwas feiern oder uns an etwas erinnern, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass dieses Gedenken nicht nur an diesem Tag wichtig für unser Leben und unsere Gesellschaft ist.

In vorchristlichen Zeiten war der Ort Delphi in Griechenland ein berühmter Wallfahrtsort. Aus vielen Ländern der Erde kamen Ratsuchende, um sich aus dem Munde der Priesterinnen den helfenden Spruch des Gottes anzuhören, der sich oft durch seine Tiefsinnigkeit auszeichnete. Eines Tages kamen Abgesandte des Volksstammes der Megarer mit der Frage, was denn das Glück ihres Volkes begründet. Das Orakel antwortete: „In allen wichtigen Dingen sollt ihr euch mit der Mehrheit beraten.“ Diese Mehrheit seien die Toten. Mit ihnen sollten sie Rat pflegen.

Das sei die sicherste Bürgschaft für die Wohlfahrt ihres Landes. Unsere Toten halten wir in Ehren, in Erinnerung - eine Zeit lang zumindest oder am Fest Allerseelen. Doch regelmäßig mit ihnen Kontakt halten? Können uns die Toten einen guten Rat für unser Leben geben?

Die Sprache der Verständigung zwischen den Lebenden und den Toten ist das Gebet. Im Gebet öffnen wir uns mit unserem Denken und Fühlen, mit unseren Fragen und Antworten, mit unserem Suchen und Finden. Im Gebet öffnen wir uns der Botschaft der Verstorbenen. Diese könnte sein:

  • Denke daran, dass du auch sterben musst!
  • Der Tod ist nicht das Letzte. Du wirst leben!
  • Wenn du stirbst, wirst du nicht mitnehmen, was du hast, sondern was du gegeben hast.
  •  Deine Schuld wird dir vergeben werden.
  •  Du lebst nicht umsonst!




Basics

Nein, ich hab mich nicht verschrieben. Was wir heute neudeutsch als basics bezeichnen, ist mir in diesem Sommer bei einer Kinderfreizeit auf Ameland wieder bewusst geworden. Wir haben dort mit etwa 50 Kindern und unserem Betreuerteam zwei Wochen auf der holländischen Nordseeinsel verbracht. Dort schliefen wir in einfachen Doppelstockbetten in schlichten Schlafsälen, die früher mal Hühnerställe waren. Die Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 14 Jahren hatten keine Smartphones dabei. Sie mussten direkt miteinander kommunizieren und hatten viel Zeit, zu spielen, reden, streiten und lachen. Wir haben den Tag immer gemeinsam begonnen mit einer Morgenrunde mit ei-nem Lied, einem Bewegungsspiel und einem Gebet.

Alle waren begeistert dabei bei Spielaktionen, Rallyes, Sport, Bastelaktionen, Spielshows, Strand, Schwimmen, Kutterfahrt, Nachtwanderung, Lagerfeuer u.v.m. Wir haben viel zusammen gesungen, besonders bei der Abendrunde, wenn wir auf den Tag zurück geblickt haben. Die Kinder haben
erzählt, was sie besonders bewegt und begeistert hat oder wo es Probleme gab. Das haben wir alles im Abendgebet Gott anvertraut. Die Kinder haben diese Gemeinschaft genossen, Beziehungen un-tereinander geknüpft und die Leiter waren mit viel Engagement und Begeisterung für die Kinder und Jugendlichen da. Sie freuen sich alle schon wieder auf nächstes Jahr, wenn es wieder nach Ameland geht.

Wir haben in diesen zwei Wochen einfach gelebt, auf viele Annehmlichkeiten und Konsum verzichtet, die ansonsten selbstverständlich erscheinen. So hatten wir mehr Zeit und Energie für die wesentlichen Dinge, die wir zum Leben brauchen. Wir waren dankbar für das, was wir erleben und genießen durften und haben uns dies auch bewusst gemacht. Zwischendurch tut es gut, sich auf die basics zu besinnen - auf das, woraus wir wirklich leben.





Dankbarkeit

Ich will jetzt aber ein neues I-phone! Das alte hat nicht mehr genug Speicher!“„Schon wieder an die Nordsee? Das ist doch öde!“ „Ich will aber ein eigenes Pferd!“So oder ähnlich hört sich das immer öfter an, wie ich es hier oder dort mitbekomme. Wir haben letztens ein Seminar zum Thema: „Dankbarkeit“ durchgeführt. Es hat gut getan, sich mal intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen.

David Steindl-Rast, ein bekannter Theologe und Gründer verschiedener spiritueller Zentren in den USA und Europa sagt zu dem Thema: „Vieles ist uns gegeben: dass ich morgens aufstehen kann, dass ich sehen und hören kann, dass ich ausreichend zu essen und zu trinken habe, das Schöne in der Natur… alles das ist nicht selbstverständlich.

Es ist für uns Menschen wichtig, dies alles achtsam wahrzunehmen.“Natürlich sind wir nicht für alles dankbar: für Leid und Krankheit z.B. sind wir nicht dankbar. Aber wir lernen auch aus solchen Erfahrungen. Wir lernen oft besonders aus Erfahrungen wie Scheitern, an die Grenzen kommen, einsam sein … Oft helfen uns solche Erfahrungen z.B. auch anderen zu helfen, uns besser in leidende Menschen einzufühlen und andere besser trösten zu können und als Mensch zu reifen.Wenn ich darüber nachdenke, gibt es vieles für das ich dankbar sein könnte.

Das Meiste nehme ich jedoch als selbstverständlich hin und sehe oft eher das, was mir Sorgen macht. Alle spirituellen Übungen egal welcher Religion üben ein, achtsam wahrzunehmen, was ist, ganz bewusst zu erleben, was ich sehe, fühle, höre… „Ich kann so meine körperlichen, emotionalen und geistigen Zustände wahrnehmen und damit besser integrieren. Das kann mir helfen, aus belastenden Gedanken und Gefühlen auszusteigen und mich von negativen Grübel- und Bewertungskreisläufen zu lösen. Ich kann einen anderen Standpunkt einnehmen - einen Standpunkt, der mir hilft, die Menschen und die Welt um mich herum positiv zu sehen und aktiv und konstruktiv in ihr zu leben.“

Das sagt Dr. Ulrike Anderssen-Reuster, Leiterin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie in Dresden. Diese Achtsamkeitspraxis stammt ursprünglich aus der buddhistischen Tradition, findet sich aber in allen Religionen und deren spirituellen Übungen wieder. Wenn ich das immer wieder übe, achtsam wahrzunehmen, kann ich zu einer Haltung der Ausgeglichenheit, eines inneren Friedens, von Wertschätzung und Dankbarkeit finden – Dankbarkeit für alles Gegebene, Dankbarkeit auch gegenüber dem Geber aller Gaben.



 

Engel

„Da hab´ ich aber einen Schutzengel gehabt!“

„Mögen Engel dich begleiten!“ „Jedes Kind braucht einen Engel.“ Engel tauchen immer wieder auf…wenn wir eine schwierige Situation überwunden haben, wenn wir großes Glück hatten, wenn wir Menschen Schutz und Begleitung wünschen, bei den Wünschen für ein neugeborenes Kind… Engel gibt es in den Vorstellungen der Menschen seit Tausenden von Jahren und das in allen drei monotheistischen Religionen: im Judentum, im Christentum und im Islam.

Auch in der Esoterik spielen Engel eine wichtige Rolle. Engel gelten als Geistwesen, von Gott geschaffen. In Bildern werden sie oft mit Flügeln dargestellt, um deutlich zu machen: Engel sind Mittler zwischen Himmel und Erde. Sie sind mitten unter uns und doch dieser Welt entrückt, können sich über diese Welt erheben in andere Sphären.

In der Weihnachtsgeschichte verkünden Engel die frohe Botschaft von der Geburt des neugeborenen Königs der Welt. Sie erstrahlten in hellem Licht, dem Lichtglanz der Ewigkeit. Im Islam spielen Engel eine wichtige Rolle. Sie werden als Diener Gottes bezeichnet. Sie vermitteln Gottes Botschaft an die Propheten. Außerdem schützen sie die Menschen.

Auch im Christentum haben Menschen die Erfahrung gemacht, dass Gott heilsam in ihr Leben eingreift. Dies wird oft mit Engeln beschrieben.In der Bibel wird berichtet von Engeln in Menschengestalt, die uns die Augen öffnen für eine andere Wirklichkeit. Sie geben uns wichtige Botschaften für unsere Leben – Botschaften Gottes. Sie begleiten uns und zeigen uns den rechten Weg. Sie können unsere Fesseln lösen und uns Kraft und Heilung schenken.

Sind Engel heute noch erfahrbar? Wir erfahren oft andere Menschen wie Engel, die uns beistehn oder uns den richtigen Weg zeigen. Wir träumen manchmal Dinge, die sich tief in unsere Seele einprägen und uns hin weisen auf etwas Wichtiges in unserem Leben.Wir können selbst Engel sein für andere. So können wir Gottes heilsame Nähe erfahren in unserer Wirklichkeit.